In dem Staatssicherheitskomitee bei dem Ministerrat der UdSSR wurden Evidenzakte und Unterlagen bis zum 1940 aufbewahrt, die die im selben Jahr erschossenen Gefangenen und internierten Offiziere, Gendarmen, Polizisten, Ansiedler, Großgrundbesitzer u. a. Repräsentanten polnischer ehemaliger Bourgeoisie. Auf Grund des Beschlusses des Dreiergerichts der NKWD UdSSR wurden 21.857 Menschen erschossen, darunter: 4.421 Menschen im Wald von Katyn (Bezirk Smolensk), 3.820 Menschen im Lager bei Starobielsk in der Nähe von Charkiw, 6.311 Menschen im Lager bei Ostaszkow (Bezirk Kalinin) und 7.305 Menschen erschossen in anderen Lagern und Gefängnissen der Westukraine und Westweißrussland. [...]
Aus dem Standpunkt sowjetischer Organe haben all diese Akten weder Operations- noch historischen Wert. Es ist mehr als unsicher, ob sie für unsere polnischen Freunde wertvoll sein könnten. Es ist gerade das Gegenteil - irgendeine unvorhergesehene Unverschwiegenheit könnte in Dekonspiration der durchzuführenden Operation, mit allen für unser Land unerwünschten Konsequenzen, folgen. Umso mehr, dass es, in Bezug auf die im Wald von Katyn Erschossenen, eine offizielle Version gibt, [...] alle dort getöteten Polen wurden als „von deutschen Okkupanten getötet" erklärt. [...]
Im Anschluss an das oben Gesagte, scheint es zweckmäßig zu sein, alle Evidenzakten, die die Menschen anbetreffen, die im Jahre 1940 im Rahmen der oben genannten Operation erschossen worden sind, zu beseitigen.
Moskau, den 3. März 1959
Katyn. Dokumente über den Völkermord. Dokumente und Archivmaterialien übergeben an Polen am 14. Oktober 1992. Uebers. Von W. Majewski, Warschau 1992