Das Zentralkomitee veröffentlichte in Zeitungen der Volksrepublik Polen die Meldung, dass es vorgeplant ist, symbolische Asche (Urne mit Erde) aus der Grabstätte polnischer Offiziere in Katyn nach Warschau zu bringen. Es wurde bekannt gegeben, dass sich die Delegation des Rates für Denkmalpflege unter Leitung von Gen. R. Paszkowski dafür nach Katyn begibt.
Im April, der in Polen zum „Monat der Nationalerinnerung" erklärt wurde, ist vorgeplant, diese symbolische Asche auf dem Hauptfriedhof in Warschau beizusetzen. Die Inschrift - „Polnische Soldaten, Opfer des Naziregimes, die ihre letzte Ruhe in Katyn gefunden haben" - auf dem Denkmal, das auf dem Friedhof im Jahre 1983 errichtet wurde, wird den Umständen entsprechend geändert.
[...] Die Mehrheit der Polen ist davon überzeugt, dass für die Vernichtung polnischer Offiziere hauptsächlich Stalin und Berija verantwortlich sind, und die Straftat selbst im Frühling 1940 begangen wurde. Gemäß der amtlichen Version des Handlungsablaufs, die im Jahre 1944 veröffentlicht wurde, waren die Offiziere von Nazis im Jahre 1941 erschossen worden.
[...] Es wurde geglaubt, dass die Kommission der Wissenschaftler für gegenseitige Angelegenheiten aus der UdSSR und der Volksrepublik Polen, die für Untersuchung derartiger schmerzvoller Geschehnisse nach Verhandlungen auf der höchsten Ebene einberufen wurde, die übereinstimmenden Einsichten in der Sache von Katyn erarbeitet. Da aber die sowjetischen Kommissionsvertreter keine Vollmacht ihrer Regierung haben, sowohl um unsere amtliche Version zu beanstanden als auch über keine aktuellen Dokumente verfügen, um ihre begründete Meinung in der Sache mit Beweisen zu stützen, ist die Kommission seit einem halben Jahr nicht im Stande anzufangen, sich mit dem Problem zu befassen. Die polnische Kommissionsvertretung präsentierte dabei Argumente für die schwache Beweisführung des Außerordentlichen Ausschusses unter N. Burdenko in dem erstellten Bericht, der im Jahre 1944 veröffentlicht wurde.
[...] im Falle, wenn die polnischen Genossen den Willen signalisiert, die symbolische Asche aus Katyn nach Warschau zu bringen, erachten wir es für zweckmäßig, dass das Bezirkskomitee KPZR in Smolensk die Delegation aus der Volksrepublik Polen empfängt und ihr die notwendigste Hilfe leistet.
Warschau, den 6. März 1989
Dokumente über den Völkermord. Dokumente und Archivmaterialien übergeben Polen am 14. Oktober 1992, Red. E. Wosik, Warschau 1992, S. 109-111