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Aus der Notiz vom ZK KPZR „Zum Verbrechen von Katyń”

Je näher wir an die kritischen Daten des Jahres 1939 herankommen, desto mehr gewinnt die Debatte in Polen über die so genannten „weißen Flecken" in Bezug auf die Verhältnisse mit der UdSSR (Russland) an Bedeutung. In den letzten Wochen ist die ganze Aufmerksamkeit auf Katyn fokussiert. In Publikationen, deren Autoren Aktivisten oppositioneller Weltanschauungen sind, gibt es Wissenschaftler und Publizisten auf der Seite der polnischen Regierung, die ganz offen behaupten, dass die Sowjetunion die Schuld an der Vernichtung polnischer Offiziere trägt, und dass die Erschießungen im Frühling 1940 stattfanden.

[...] Das Thema von Katyn drängt sogar die Themen die eng verbunden mit der Auslösung des Zweiten Weltkrieges und mit dem Angriff der Deutschen auf Polen sind, gewollt in den Hintergrund. Zwischen den Zeilen kann man leicht lesen - Polen suggeriert, dass die Sowjetunion Deutschland nicht nachsteht und vielleicht noch einflussreicher ist als Deutschland damals war und dass sie nicht weniger Verantwortung für die Auslösung des Krieges und sogar für die Niederlage Polens trägt.

Das Verbrechen von Katyn kann - und je tiefer die Forschungen, desto größer die Gefahr - die Neugier in der Volksrepublik Polen entscheidend erhöhen, das Schicksal Tausender [anderer] internierter Offiziere, die rings um Charkiw und Bologoje spurlos verschwunden sind, aufzuklären. Auf die Appelle der Volksrepublik Polen nach diesen zusätzlichen Angelegenheiten erteilten wir bisher keine klare Antwort.

Vermutlich wird die Regierung der Volksrepublik Polen von uns verlangen, die tragischen Geschehnisse der Vergangenheit zu klären. Die laufende Zeit ist in diesem Fall nicht auf unserer Seite. Es wäre vielleicht zweckmäβig zu sagen, was in der Wirklichkeit geschah, wer daran schuldig ist und damit die schwebende Sache letztendlich abzuschließen. Durch solches Handeln würden wir diese ganze Saumseligkeit, die doch hohe Kosten zur Folge hat, überwinden.

Moskau, den 22. März 1989

Katyn. Dokumente über das Völkermord und Archivmaterialien überwiesen Polen am 14. Oktober 1992