przejd do zawartosci


Józef Czapski (Maler, Schriftsteller)

Starobielsk habe ich erst am 12. Mai [1940] in einer Gruppe von sechzehn Menschen verlassen.

Schon auf dem Bahnhof, erst am Tagesanfang, hat es überraschend gestartet. Unsere Gruppe wurde in die Gefängniswagen hineingezwängt - je einige Zehn in verdammt engen und dunklen Abteilen mit dicht vergitterter Tür. An den Wänden gab es polnische Aufschriften wie z.B. „wysadzili nas koło Smoleńska" /wir wurden in der Nahe von Smolensk ausgeladen/ zu lesen. Die Dienst leistenden Soldaten im Transport waren brutal. Im Grunde genommen konnten wir nur zwei Mal pro Tag zur Toilette. Zu essen gab es nur kleine Heringe und Wasser. Es gab so eine große Hitze, dass viele in Ohnmacht vielen, und die Wärter, obwohl an die Arbeitsbedingungen gewöhnt, totale Teilnahmlosigkeit zeigten. [...]

Wir wurden in ein anderes Lager mit einer dicht bewaldeten Umgegend gebracht. Träume von Frankreich, von Polen zerplatzten wie eine Seifenblase. „Pawliszew-Bor" - so der Name des Lagers war tief im Walde eingerichtet. Es befanden sich dort schon 200 unsere Kollegen aus Kozielsk, 120 aus Ostaszkow und 63 aus Starobielsk. [...] Nach ein paar Wochen wurden wir weiter nach Griazowiec bei Wologda abtransportiert, wo wir bis zum August 1941 eingesperrt blieben.

Ganz am Anfang waren wir davon überzeugt, dass allen unseren Kollegen ein ähnliches Schicksal wie uns beschieden war, dass sie, genauso wie wir, in ähnliche Lager in dem weiten Russland zerstreut, gebracht wurden. Ganz schnell aber begannen wir uns über das Schicksal unserer Kollegen Gedanken zu machen, weil es fast in jedem Brief aus Polen immer mehr unruhige Anfragen gab, was mit den Kollegen aus Starobielsk, Kozielsk und Ostaszkow passiert war, nachdem wir voneinander getrennt worden sind.

Diese Briefe aus Polen halfen uns schon im Sommer 1940 zu Schlussfolgerungen zu kommen, dass wir die einzigen Gefangenen dieser drei Lager sind, die noch Korrespondenz aus Polen nach April 1940 empfangen konnten.

A.L. Szcześniak, Katyn. Der historische Hintergrund, Fakte, Dokumente, Warschau 1989